
Entstehung durch Verdrängung
In der Entwicklung eines jeden Menschen gibt es unzählige Momente, in denen wir uns notwendigerweise an unsere Umwelt anpassen. Ganz besonders entscheidend sind diese Momente jedoch in unserer Kindheit und Pubertät. In diesen Phasen werden wir durch unsere Bezugspersonen massgeblich beeinflusst. Wir lernen, welche Teile unserer Persönlichkeit und welche Ausdrucksformen gewünscht sind und welche nicht. Das Gewünschte kultivieren wir, das Ungewünschte stecken wir weg - in den Schattensack*. Dort wird es zum Unbewussten. Und so formen wir unsere eigene Persönlichkeit während unseren verschiedenen Entwicklungsphasen und werden zu dem Menschen, den andere wollen. Diese Entwicklungsschritte gehören zur Menschwerdung, denn als Kind haben wir keine andere Möglichkeit als die Anpassung an die Umwelt.
Störungen des Selbstbildnis
Doch im Laufe des Lebens melden sich die nicht gelebten Teile zurück aus ihrem Schattensack*. Etwas will gelebt sein. Sie stören das Innenleben und den Kontakt zu andern Menschen. Diese nicht bewusste Aspekt zeigen sich als unwillkürliche Emotionen, unerklärliche Wut oder tiefe Depressionsmomente. Es sind nicht nur Störungen, sondern es sind Triggermomente, die uns besetzen und aufwühlen. In diesen Zuständen sind wir geradezu identifiziert mit starken Gefühlen, entweder Wut oder Trauer in unterschiedlichen Ausformungen. Und meist merken wir es nicht, denn der inneren Beobachter ist in solchen Phasen ausgeschaltet. Wenn dies passiert, drängen sich Schattenteile in den Vordergrund und die übernehmen die Führung. Sie kreieren nicht beziehungsförderliche Auseinandersetzungen, Streit und Dominanzverhalten oder das Gegenteil von Wut; sie kreieren unendliches Hinterfragen, depressive Stimmungen, Trauer, Handlungsohnmacht. Und sie sind unerwünscht, denn wir erleben sie als Störung unseres über lange Jahre aufgebauten Selbstbildes.
Unangenehme Schattenarbeit
Was tun? Ausagieren, damit es vorbei geht? Sinnvoller ist ein bewusstes Zuwenden zu solchen Dynamiken. Was sind die tiefer liegenden Aspekte dieses Konfliktes? Welche Teile der Persönlichkeit wollen angeschaut werden? Zu welchem Verhalten führen mich diese Aspekte? Das Erforschen holt die weggesteckten Gefühle und Bedürfnisse in den Vordergrund und das fühlt sich längst nicht immer angenehm an. Denn gelernt wurde, dass genau das nicht sein darf. Doch Schattenarbeit geht hier in unangenehme Bereiche hinein und erhellt so die unbewussten Phänomen unserer Persönlichkeit. Das ist schwierig, denn genau diese Persönlichkeitsteile sind soweit weggesteckt in uns drin, dass wir gar nicht mehr wissen, dass wir diese Teile haben. Darum ist Schattenarbeit diffus, nebulös. Eine Schattenstimmung ist geladen mit Wut und Trauer, mit Ablehnung und Verdrängung. Doch im Schatten können auch beziehungsunterstützende Aspekt liegen. Wenn ich gelernt und erfahren habe, grundsätzlich anderen Menschen zu misstrauen ist, dann ist ein wohlwollendes Zugewandt sein ein Schattenaspekt.
Kontaktfähigkeit wieder stärken
Wenn Verdrängtes und Unterdrücktes nun sein darf, kann ich mehr oder weniger in Kontakt sein zu diese Persönlichkeitsteilen und muss sie damit auch nicht bei anderen Menschen anklagend ablehnen. Das ist es äusserst heilsam, gestaltet Beziehungen wohlwollender und macht uns zu einem verständnisvollerem Menschen. Schattenarbeit können wir nicht alleine machen. Wir brauchen Begleitung, Mitmenschen, die mit uns zusammen die dunklen Bereiche unserer Psyche erforschen und mit uns da bleiben. Das hilft.
Das 6-tägige Intensivseminar «Der Schatten» aus der Held*innenreise von Paul Rebillot beschäftigt sich mit diesem Thema. Beim Bau einer Schattenmaske werden in einem mehrstufigen Prozess die Schattenthema erarbeitet. Hier geht’s zum Seminar.
Wie erlebst du deine Schattenanteile und wie gehst du damit um? Schreib es gerne hier in den Kommentar.
*Carl Gustav Jung entwickelte in der analytischen Psychologie das Konzept des „Schattens“: die verdrängten oder ungeliebten Teile unserer Persönlichkeit. Robert Bly griff dieses Konzept später auf und beschrieb es bildhaft als „Schattensack“ (engl. shadow bag).
@Human made: Dieser Text ist KI-frei geschrieben. Er ist entstanden durch das Erspüren von inneren Prozessen, kombiniert mit meiner Erfahrung aus der therapeutischen Tätigkeit.
copy please! unter Nennung des Autors: philippsteinmann.ch

Kommentar schreiben